
Erst die Arbeit, dann das Vergnuegen, habe ich mir gesagt, und so verbringe ich die erste Woche meiner Reise als FAM Trip in Ecuador. Neben vielen Hotels sehe ich so ganz nebenbei auch einiges: einen vom aussterben bedrohten Brillenbaer inkl. Nachwuchs, vier wildlebende Kondore, Indianermaerkte, Kolonialstaedte, eine abenteureliche Eisenbahnstrecke und… viel Wolken, Regen und Nebel und folglich leider keine Vulkane auf der beruehmten Strasse der Vulkane. In den Hotels hiess es dann immer: von hier haette man eine super Sicht auf den Vulkan, und ich sah gerade mal grau.
Nach einer anstrengenden Woche reise ich also weiter nach Kolumbien, in der Hoffnung, hier ein bisschen mehr Glueck mit dem Wetter zu haben. Im Bus zur Grenzstadt Tulcan sitzt eine Frau neben mir und wir beginnen ein wenig zu quatschen. Sie erzaehlt mir ihr ganzes Leben, ihre Ehekrise, wie sie von ihrem alkoholsuechtigen Ehemann schlecht behandelt und betrogen wird, wie er all das hart verdiente Geld in seine Sucht investiert, dass sie ihn verlassen will, wie sie ihr Glueck in Spanien versucht hat und dann doch wieder zurueck nach Ecuador gekommen ist, da das Leben in Spanien als Ecuadorianerin nicht einfach war und sie ihre vier Kinder so stark vermisst hatte… Genau diese Begegnungen sind es, die das Reisen spannend machen, und so bevorzuge ich es allemal im Lotterbus herumzureisen, als als wohlbehueteter Touri im Privatfahrzeug herumchauffiert zu werden und das reale Leben nur von aussen zu sehen.
In Tulcan treffe ich eine alte Frau, die ebenfalls zur Grenze muss, und so teilen wir uns das Taxi zur Busstation wo die Kleinbusse zur Grenze losfahren. Dort muss ich ganz schoen kaempfen, nicht sofort ins naechste Taxi nach Ipiales (Grenzstadt in Kolumbien) verfrachtet zu werden. All die Kolumbianer & Ecuadorianer welche mit mir im Sammeltaxi reisen scheinen Ihre Dokumente nicht stempeln oder vorzeigen zu muessen, da sie wohl nur schnell ueber die Grenze und dann gleich wieder zurueck kommen, und so muss ich ganz schoen kaempfen, dass die mich und vor allem mein Gepaeck nicht auch gleich ins naechste Sammeltaxi zerren. Schlussendlich schaffe ich es, mich loszureissen und meinen Pass doch noch gestempelt zu kriegen. Die anschliessende Fahrt nach Pasto ist beeindruckend: den Berg herunter geht es von karger Berglandschaft hinunter in ein fruchtbares, gruenes Tal, vorbei an kleinen, weissen Adobehauschen. Ein Gegensatz zu den moderneren Bauten eben noch in Ecuador.…und in Pasto muss ich mich wieder daran gewoehnen, auf den Luxus eines vier oder fuenf-Sterne-Hotels zu verzichten…


Tags darauf reise ich bereits weiter nach Popayán, denn das Wetter in Pasto ist schlecht, und so lohnt es sich nicht den Vulkan zu besteigen oder sonst etwas zu unternehmen. Entlang der Panamericana trocknet hier eines der wichtigsten Exportgueter Kolumbiens. Auf grossen Planen liegen sie vor den Hausern der Farmer, die Kaffeebohnen, fuer die Kolumbien so beruehmt ist. Ob die Abgase der vorbeidonnernden Trucks die Qualitaet noch verbessern?? Viele von Euch fragen sich vielleicht, wieso ich gerade ausgerechnet ins ach so gefaehrliche Kolumbien reise, wo alle Guerrilleros oder Paramilitaers sind oder zumindest einem Drogenkartell angehoeren. Nun, die bestehenden Probleme leugne ich nicht, aber dies ist nur ein sehr kleiner Teil dieses Landes. Die Sicherheitslage hat sich in den letzten Jahren stark verbessert.
In Popayan, einer wunderschoenen Kolonialstadt, erinnern nur die Erzaehlungen von Diego, meinem Gastgeber vom Hospi Club, und die Protestsprueche an den Waenden an den Konflikt: “Gobierno asesino”, “Gobierno narcoparamilitar terrorista”, “Somos estudiantes y no terroristas, porque nos matan?”… Das Regierungsgebaude strahlt denn auch nicht ganz so weiss, wie die restlichen Kolonialbauten: mit Farbbeuteln beworfen ist es bunt befleckt. Ein Arbeiter retouchiert die Sprueche wieder mit weisser Farbe. Wie lange wird es wohl dauern, bis sie wieder da stehen?
Minuten verkaufen muss ein gutes Geschaeft sein hier in Kolumbien, denn der Kolumbianer, so auch Diego, verkauft Minuten. “Minutos” heisst es ueberall: Schilder an Hausern und Tiendas weisen darauf hin. Es gibt sogar Leute auf den Strassen, welche als “Sandwich” mit einem grossen Schild oder einer grell leuchtenden Veste herumlaufen mit der Aufschrift: “Vendo minutos”. Als Europaer unverstaendlich: hat man hier so viel Zeit, dass man seine ueberfluessige Zeit verkauft? Gerne wuerde ich mir ja ein paar Minuten Urlaubszeit kaufen, ist auch gar nicht teuer, mit Preisen zwischen 100 – 300 Pesos pro Minute. (0.05 – 0.15 USD) Doch was die Verkaufer besitzen ist nicht zu viel Zeit, sondern ein Handy. Wer es vermag, fuer sein Pre-Pay Handy viele Minuten aufs Mal zu kaufen, bekommt diese billiger, und kann sie dann teurer an die Leute weiterverkaufen, welche entweder gar kein Handy besitzen, oder aber zwar eines haben, jedoch die Minuten teurer einkaufen muessen, da es nicht fuer eine grosse Menge aufs Mal reicht… Mir wird klar, weshalb ich an der Grenze keine Telefonkarte finden konnte fuer die oeffentlichen Telefone, denn wer braucht schon ein oeffentliches Telefon, wenn an jeder Ecke irgendjemand Minuten verkauft? (Nebenbemerkung: es gibt auch oeffentliche Telefone, aber diese funktionieren nur mit Muenzen. ) Und so klingelt es also bei Diego zu Hause immer mal wieder an der Tuer und jemand fragt nach “Minutos?”

Handy-Vertraege sind eine Sache fuer sich. Im Bus nach Silvia treffe ich Olga. Olga arbeitet fuer Comcel, einen kolumbianischen Provider. Ich reise nach Silvia, um den Markt zu besuchen, der jeweils dienstags stattfindet. Nach Silvia kommen dann all die Guambianos (ein indigenes Volk) aus den umliegenden Doerfern. Angefahren kommen sie in bunten “Chivas”, den fuer das laendliche Kolumbien typischen Bussen. Hier verkaufen sie ihre Erzeugnisse oder erstehen, was sie brauchen, z.B die traditionellen blauen Tuecher welche die Frauen tragen, oder die schwarzen Ponchos und blauen Roecke der Maenner, natuerlich aber auch Fruechte, Gemuese, Getreide oder…. Minuten? Denn hier ist Olga, und Olga verkauft Handy-Vertraege. Doch bevor sie sich ans Verkaufen macht, hausiert sie von Haus zu Haus, von Kunde zu Kunde, um die Monatsgebuehren und angefallenen Kosten zu kassieren. In vielen Doerfern hier gibt es keine Bank, und um die Handyrechnung zu bezahlen muss man den Betrag auf einer Bank einzahlen. Sowas wie E-banking kennt man hier nicht, anscheinend auch keine Bankueberweisungen, und so muessen die Kunden ins naechste Dorf zur Bank fahren, um die Rechnung in Cash am Schalter zu begleichen. Doch es gibt Leute wie Olga! Fuer eine kleine Kommission reist sie in die abgelegenen Doerfer (oder auch nicht so abgelegenen – aber ohne Bank) und kassiert das Geld, um es dann an Comcel zu ueberweisen. Unglaublich aber wahr: Olga scheint fast alle ihrer Kunden an diesem Dienstag zu treffen, entweder zu Hause oder auf dem Markt. Vor Ort versucht sie dann auch Neukunden zu adquirieren und ganz nebenbei kauft sie in Silvia dann auch gleich noch das Joghurt, fuer welches Silvia bekannt ist, und verkauft es in Popayan weiter…


Zuerst Olga und dann Andres sind heute meine Touristenfuehrer. Nachdem mich Olga durch Silvia gefuehrt hat, lerne ich auf dem Rueckweg nach Popayan Andres kennen. Er faehrt nach Popayan… um seine Handyrechnung zu bezahlen. Denn auch in Piendamo, wo er wohnt, gibt es keine Bank. Nachdem ich mit ihm von Bank zu Bank gepilgert bin, um abzuchecken wo die Schlange am kuerzesten ist und er schlussendlich ziemlich schnell das Geld einzahlen konnte, fuehrt er mich durch Popayan, zu den besten Empanadas, schoensten Gassen und dem besten Aussichtspunkt, wo wir einen herrlichen Sonnenuntergang sehen. Erst gelblich, dann orange und schlussendlich dunkelrot und schwarz, schnell geht das hier, und der Himmel aendert von Sekunde zu Sekunde. Klar, wir sind hier schliesslich sehr nah am Aequator.Es ist echt unglaublich hier in Kolumbien. Wo immer man hinkommt, es findet sich jemand, der einen herumfuehrt, Geschichten erzaehlt und einem weiterhilft, wo noetig. Die Kolumbianer sind extrem gastfreundlich und hilfsbereit, sie freuen sich ueber jeden, der ihr Land besucht, denn es sind wenige die hierher kommen. Immer wieder werde ich mit einem Augenzwinkern gefragt, ob ich denn keine Angst haette, und groesser wird das Grinsen wenn ich sage, dass meine Mama zu Hause ganz schoen Panik gekriegt hat, als ich ihr von meinen Reiseplaenen berichtet hatte… Alle bedauern sie die Probleme und den schlechten Ruf des Landes, denn Kolumbien haette doch so viele Attraktionen! Und das stimmt - und wenn man diese als Tourist dann auch besucht, wird man meistens selbst zu einer…
Ich reise nach Kuba.
Ich reise nach Kuba, um dieses Land und sein System noch vor der bevorstehenden historischen Wende kennen zu lernen.
Ich reise nach Kuba, mit der Illusion, hier vielleicht ein gerechteres Lateinamerika zu finden, als das, welches ich kenne. Ich reise nach Kuba, auf der Suche nach Lebensfreude, wegen der Musik und um zu tanzen (ich bin nun halt einmal eine Salsaholic) Ich reise nach Kuba, mit im Reisegepäck eine neue Waschmaschinentüre und ein Kilo Pulver zum entkalken der Waschmaschine. Ich reise quick fidel nach Kuba.
Quick fidel und voller Reisefieber fahre ich also am Samstag morgen zum Flughafen, wo ich mich mit Rahel treffe, und wir wohl so als ziemlich letzte noch einchecken (typisch Reisebüroangestellte ) Rechtzeitig beim Gate angekommen, müssen wir uns anscheinend bereits auf Kuba einstellen und wir warten. Die Schlange ist lang, und anstellen wollen wir uns noch nicht. Wir warten und warten. „Letzter Aufruf...“ – hören wir plötzlich, und mit einem halben Ohr glauben wir unsere Namen gehört zu haben.... Wir haben es doch tatsächlich geschafft, anscheinend noch halb verpennt, beim falschen Gate gewartet zu haben. Und so kommen wir in den Genuss, und in die peinliche Situation zugleich, im Privatbus als letzte zum Flieger chauffiert zu werden.
In Paris treffen wir auf Uli, welche aus Frankfurt angereist ist. Der Rest des Fluges verläuft unspektakulär, mal abgesehen davon dass an Bord zwei Jungs mit wirklich echt aussehenden Plastikpistolen spielen. Da scheint mir allerdings meine Sonnencrème auch einiges gefährlicher zu sein, deshalb hatte ich sie ja auch eingecheckt... Der Flug bringt uns also direkt nach Havanna, wo wir die ersten paar Tage unserer Reise verbringen werden. Ich hatte mich schon auf die nervendsten Fragen am Zoll bezüglich der Waschmaschinentüre, welche ich für meine Freundin Bea die in Havanna lebt mitgenommen habe, eingestellt, doch alles geht schnell und ohne Fragerei.


Kaum aus dem Flughafen merkt man, dass Kuba anders ist. Statt von riesigen Werbeplakaten sind die Strassen von sozialistischer Propaganda gesäumt: „Vamos bien“, „Más unidos, fuertes y solidarios que nunca“, „Nada detendrá nuestro socialismo“, „Somos un país de patria o muerte”, “Uh! Ah! Chavez no se va”, “El futuro es nuestro”, “Luchar y trabajar – nuestro compromiso con Fidel”, “Feliz 48 aniversario del Triunfo de la Revolución”, “Somos Cubanos dignos y revolucionarios”, “Revolución es Unidad, Igualdad y Libertad”... Bestaunen wir erst noch jeden dieser Sprüche, gehören sie kurz darauf einfach zum Bild dazu und bald werden wir sie kaum noch beachten. Havanna muss einmal eine wunderschöne Stadt gewesen sein. Überall sieht man einst prachtvolle Kolonialbauten, von denen heute leider viele in einem erbärmlichen, verlotterten Zustand sind, ja bald in sich zusammen zu stürzen drohen. Immerhin wurde das Zentrum der Altstadt zum Teil restauriert - u.a. wohl weil die UNESCO „Habana Vieja“ zum Weltkulturerbe erklärt hat. Havanna wird liebevoll auch „die alte Dame der Karibik“ genannt. Alt ist sie, und voller Nostalgie. Zu den heruntergekommenen Gebäuden gesellen sich alte Blechkutschen: Chevrolets, Ladas etc. Man fühlt sich hier gleich ein paar Jahrzehnte zurück versetzt. Wohl nirgendwo sonst gibt es noch so viele Oldtimer. Romantisch sieht es aus, wenn sie vor den alten Häusern daher geschaukelt kommen, die alten Amischlitten. Doch 50 Jahre hinterlassen seine Spuren und dementsprechend sieht man auch an jeder zweiten Ecke jemanden, der gerade versucht, sein Auto zu reparieren und wieder zum fahren zu bringen. Dies liegt jedoch sicherlich nicht an der Sentimentalität der Kubaner oder ihrer Liebe die alten Klapperkisten so lange wie möglich zu pflegen, sondern halt einfach daran, dass es für Kubaner keine neuen Autos gibt!
Ein Taxista der uns mit seinem Lada zum Busterminal fährt erklärt uns denn auch, wie das mit den Autos hier so funktioniert: Autos gibt es für den Durchschnittskubaner offiziell keine zu kaufen, höchstens auf dem Schwarzmarkt – aber dort, bei einem Monatsgehalt von ca. 15 – 20 CUC, kaum erschwinglich. Autos gibt es nur für Touristen, die Regierung oder Sportler die im Land herumreisen müssen/dürfen. Die alten Kisten, die man auf den Strassen sieht, stammen denn auch alle noch aus den 50er Jahren. Wenn ein Autobesitzer stirbt, wird das Auto automatisch an seine Erben weitergegeben. Dies führt oft zu Komplikationen, dann nämlich wenn der ursprüngliche Besitzer X sein Auto vor seinem Tod irgendwo unter der Hand an den neuen Besitzer Y weiterverkauft hat. Da offiziell jedoch immer noch X als Besitzer des Autos gilt, gehört mit seinem Tode das Auto nun den Erben von X. Verarscht ist Y, sofern er sich nicht rechtzeitig darum kümmern konnte, vor X’s Tod das Auto an einen anderen illegal weiterzuverkaufen... Allgemein gibt es in Kuba fast keine Autos, ja, wären hier nicht die Mietwagen für Touristen, könnte man Kuba fast als „autofreies Land“ bezeichnen. Dies macht aus Havanna wohl auch die leiseste Hauptstadt Lateinamerikas, wenn nicht sogar die leiseste Hauptstadt überhaupt!Statt nervendem Autolärm, gibt es dafür nervende „Jineteros“. Als Jineteros werden in Kuba die Kuppler bezeichnet, welche Touristen zu irgendeinem Ort (Bed & Breakfast, Restaurant etc) schleppen oder unoffizielle Touren verkaufen und dann fett Provision abkassieren und so „auf dem Buckel der Touristen reitend“ (Jinete = Reiter) einen lukrativen Zusatzverdienst haben. Angesprochen wird man überall und die Masche ist immer die selbe: Zunächst Smalltalk: „De dónde tú eres?“ oder in gebrochenem Englisch „Where you from?“ und dann das eigentliche Interesse: willst du etwas trinken, essen, kaufen...? Um diese Leute abzuwimmeln entwickeln wir unsere Strategien: „Somos de Marianao“ (ein schlechtes Wohnviertel von Havanna) oder einfach nur ignorieren. Manchmal hilfts - manchmal auch nicht... Jinetear ist in Kuba eigentlich verboten und steht unter Strafe. Ja, einzig schon, sich als Kubaner mit einem Ausländer blicken zu lassen, oder mit einem Touristen zu sprechen kann einen Kubaner in die Lage bringen, sich ausweisen zu müssen und stundenlang erklären zu müssen, weshalb man jetzt mit den Touristen gesprochen hat, um dann schlussendlich doch (fälschlicherweise) als „Jinetero“ gebüsst zu werden. Es passiert uns mehrmals, dass wir uns mit Kubanern nett unterhalten, diese dann plötzlich die Strassenseite wechseln und davon laufen. Meist sehen wir die Polizisten erst später...
Der Kontakt zwischen Kubanern und Touristen wird so systematisch unterdrückt und fast verunmöglicht. Diese Trennung wird verstärkt, durch die Tatsache, dass viele Regionen für Kubaner nicht zugänglich sind. Viele Strände (Varadero, viele Cayos...) sind für Touristen reserviert und für Kubaner verboten. Schade, denn wir sind es uns gewohnt, so nahe wie möglich am Land und den Menschen zu reisen, doch dies scheint in Kuba fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Es gibt Busse für Touristen und Busse für Kubaner, Taxis für Touristen und Taxis für Kubaner, eine Währung für Touristen und eine Währung für Kubaner, Nahrungsmittel für Touristen und Nahrungsmittel für Kubaner (ein Kubaner darf beispielsweise keine Langosta essen, da diese für Touristen reserviert sind. Offiziell nennt sich das Artenschutz...), Hotels für Touristen und keine Hotels für Kubaner... Eine verdrehte Welt...
Nach drei Tagen Havanna führt uns die Reise zuerst ins Viñales Tal. Für viele die vielleicht schönste Landschaft Kubas, auf jeden Fall die eigentümlichste. Viñales ist berühmt für seine eindrücklichen Landschaft mit Feldern, kleinen Farmhäusern, Tabakplantagen und den fast surreal wirkenden „Mogotes“ - bizarre Kalksteinkegel welche aus der Ebene ragen. Es gibt auch viele Höhlen in der Region, die entdeckt werden wollen. Uli und ich besuchen am ersten Tag die grausam touristischste von ihnen, die „Cueva del Indio“. Rahel, als Pferdefreak, zieht es hingegen auf den Rücken dieser Tiere, was für sie als Pferdefreund zuerst einmal die schwierige Aufgabe mit sich bringt, ein einigermassen gepflegtes und gesundes Pferd aufzutreiben. Die meisten Tiere hier sind mager und werden als Nutztiere gebraucht. Per Mietfahrrad – welche sich in ähnlichem Zustand befinden wie die meisten Pferde - geht es also zwischen den Mogotes zur Cueva. Endlich fühlen wir uns näher am Land und wir freuen uns über die uns zuwinkenden und grüssenden Menschen. Schön ausgebaut und beleuchtet geht es zuerst zu Fuss und danach im Boot durch die Gänge der Höhle. Zurück in Viñales treffen wir Luis Alberto – „Luisi“. Er verkauft Montecristos, nicht die Zigarren, sonder leckeres Süssgebäck, spottbillig für nationale Pesos. Am Abend ist Salsatanzen angesagt, Luisis Freund Yosviel entpuppt sich als ziemlich guter Tänzer. Keine Selbstverständlichkeit, auch nicht in Kuba!! Im Ausgang in Viñales sehen wir auch, wofür Kuba leider auch bekannt ist: Sextourismus. Junge Kubanerinnen verschwinden mit alten Europäern, doch auch Frauen scheinen wegen dem gleichen hierher zu kommen: Uli war schon etwas früher nach Hause gegangen, und Rahel wollte noch bleiben, und so begleitet mich mein Tanzpartner Yos nach Hause. Auf der Strasse eine Horde betrunkener Engländerinnen auf der Suche nach einem Taxi. Doch um diese Zeit ist es schwierig, ein offizielles Taxi zu finden, und so sagt Yos zu mir, ich solle ihnen sagen, er könne vielleicht ein illegales Taxi organisieren. Während Yos also das Taxi organisiert bequatscht mich eine der betrunkenen Engländerinnen. Ob ich mit dem „Black Guy“ zusammen sei wollte sie wissen, und dann: ich sollte mit ihm aufs Klo verschwinden, er sei ja so hübsch, bestimmt super im Bett und hätte bestimmt einen grossen „Dick“... Ich war sprachlos und schockiert!!
Yos und Luisi hatten uns offeriert, uns am nächsten Tag zu der „Cueva de las Piscinas“ zu führen, und so wanderten wir gemeinsam da hin. Die Höhle ist genial! Ausgestattet mit Taschenlampen wagen wir uns in die Dunkelheit, ab und zu huscht eine Fledermaus direkt an uns vorbei, zuhinterst dann die „Piscinas“, natürliche Pools, welche zum Baden im eiskalten Wasser einladen. Einfach herrlich! Durch Luisi und Yos erfahren wir auch viel spannendes über Kuba. Wir fragen nach der Nationalhymne des Landes und Luisi beginnt zu singen, doch was wir zu hören kriegen ist eine abgeänderte Version, welche sich über das System beklagt, und die Probleme des täglichen Lebens der Kubaner wiedergibt... „Komm nach Kuba und leide Hunger...“ etc etc... Gemeinsam lachen wir darüber, doch gleichzeitig stimmt es uns auch nachdenklich und traurig. Wir erfahren später auch, dass eben z.B. Luisi und Yos sich nur mit uns zusammen blicken lassen dürfen, weil Luisis Schwester bei der Polizei arbeitet und dass Luisi schon zweimal versucht hat, in die USA zu fliehen. Einmal dabei sei er fast umgekommen und einmal hat er es bis in US-amerikanische Gewässer geschafft, das Boot wurde allerdings wieder zurückgetrieben und dann aufgegabelt und zurück nach Kuba geschafft. Heute will er nicht mehr weg. Luisi erzählt auch, dass die USA das Dengue Fieber nach Kuba gebracht hätten. Als biologische Waffe hätten sie es mit dem „schwarzen Flieger“, einem Tarnkappenbomber, unbemerkt über Kuba abgeworfen...???!?!!!
Dengue, resp. der die Krankheit übertragende Moskito Aedis Aegypti (oder so ähnlich), wird in Kuba denn auch aus „Enemigo“ – Feind – bezeichnet. Überall sieht man Plakate welche von dem Feind warnen und erklären, wie man sich dagegen wehren kann. Die Mücken sind v.A. da zu finden, wo es stehendes Wasser gibt. Um den Feind zu bekämpfen, müssen also Wasserquellen jeglicher Art vermieden werden. Z.B. lesen wir also auf einem Plakat, müsse man alte Pneus entweder recyceln, sie unter einem Dach lagern, oder falls das auch nicht geht, sie mit Erde füllen und vergraben...
Der andere allgegenwärtige Feind sind natürlich die USA und ihr Terrorismus. Überall erinnern Bilder und Sprüche an die „Cinco Héroes“. „Volverán“ – sie werden zurück kommen. Von Bea haben wir ihre Geschichte erfahren. Die 5, resp. eben eigentlich die 10, waren als Spione in den USA um geplante Attentate auf Kuba aufzudecken und zu verhindern. 5 von den 10 Spionen haben nach der Verhaftung „geplappert“ und mit den USA zusammengearbeitet, die „5 Helden“ hingegen haben geschwiegen und sind schon Jahre lang in Gefangenschaft der USA. Von den „Andern 5“ weiss in Kuba allerdings niemand. (Für weitere Infos: www.miami5.de oder http://de.wikipedia.org/wiki/Miami_Five )
Um das Feindbild zu stärken hört man in den Nachrichten denn auch Reden von „Cooperante“ Chávez, welcher Bush laut als Terrorist anprangert (womit er ja nicht Unrecht hat!) und sieht Bilder des amerikanischen Terrorismus im Irak. Ansonsten wird berichtet über die Fortschritte der medizinischen Forschung in Kuba, über die neue sozialistische Regierung Daniel Ortegas in Nicaragua, über die sich gegen den TLC (Freihandelsabkommen mit den USA) wehrenden Costaricaner, oder (noch wichtiger – da ausführlicher) über die Feiern des 35 jährigen „Aniversarios“ des Lenin-Parkes in Havanna. Die Medien informieren, wie wohl in jeder Diktatur, mit grosser Zensur, sodass die Leute ein verzerrtes Bild der Welt bekommen. So wird uns gegenüber manchmal erwähnt, dass ausserhalb Kubas das Leben ja sehr hart sein müsse. Viel Terrorismus und viel Kriminalität, die Leute in Europa seien alle nur egoistisch und kümmerten sich nicht um die anderen, man kenne nicht mal die eigenen Nachbarn...
Information ist überhaupt auch so ein Ding... Internet gibt es nur für Studenten, Lehrer, Staatsangestellte, Doktoren... Dementsprechend hat auch fast niemand Email. Wer Internetzugang und Email hat ist stark privilegiert. Internetcafés gibt es zwar (wegen den Touristen), doch der Internetzugang ist sauteuer (5-6$ pro Stunde!!) und somit (bei einem Monatseinkommen von 15 – 20$) kaum erschwinglich. Zudem dürfen die Kubaner diese Cafés auch nicht benutzen. Und so gibt es viele Kubaner die es zwar irgendwie geschafft haben, sich eine Hotmail oder Yahoo-Adresse einzurichten, die sie sich z.T. auch zusammen mit anderen Personen teilen, doch um die Mails abzurufen, werden Touristen angestellt, schnell einen Blick in die Mailbox zu werfen. Dies ist Uli mal passiert, ich selber habe mich von dem zu teuer und zu langsamen Internet gerne 3 Wochen ferngehalten...
Und manchmal hat man in Kuba auch den Eindruck, dass den Kubanern eingetrichtert wird, als Kapitalist sei jeder Tourist ein Feind, der jedoch die Errungenschaften der Revolution (Schulbildung, Medizin etc) finanziert, und deshalb ausgenommen werden muss wo man kann... Dieser Eindruck wird später verstärkt, als wir ein Bicitaxi (Fahrradtaxi) sehen, auf welchem in grossen Lettern „Fula pero Yuma“ steht. Kubanischer Slang für „Dollars aber Ausländer“ (etwas abschätzig, so wie Gringo) Verhandeln muss man deshalb immer und überall um den Preis. Erst noch zaghaft, doch später immer besser lernen wir um Taxi- und Zimmerpreise zu verhandeln. Nach drei Wochen wissen wir, Kubaner haben viiiiiel Zeit. Und so ist die beste Verhandlungstaktik auch einfach erst einmal die Hälfte des genannten Preises zu nennen, und dann einfach mal zu warten, bis mit der steigenden Warte- und Schweigezeit langsam der Preis sinkt. Was den Kubanern an Geld fehlt, fehlt es uns hierzulande an Zeit... Überhaupt sind Kubaner Weltmeister im Warten und Schlangestehen.
Dies merken wir spätestens am nächsten Tag, als wir uns in den Kopf gesetzt hatten, per Autostopp zum Cayo Jutías zu fahren. Tags zuvor hatten uns alle Kubaner bereits für verrückt erklärt, und umso mehr wollten wir es versucht haben. Autostopp („hacer botella“) funktioniert in Kuba anders, als wir das kennen. Da es in Kuba kein funktionierendes (Nahverkehrs-)transportsystem gibt, ist Autostopp weit verbreitet, gehört zum Verkehr dazu, ist deshalb auch extrem sicher und richtig organisiert. Bei jedem Dorfausgang gibt es einen offiziellen Punkt – genannt El Amarillo - wo sich die Leute einfinden, um auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. Bei diesem Punk arbeitet auch eine Person, welche gelb angezogen ist (daher der Name Los Amarillos) und die Leute auf die anhaltenden Autos verteilt. Zuerst bekommt man also als Wartender eine Nummer zugeteilt (wir bekommen Nr. 55 – 57) und der Amarillo notiert das gewünschte Reiseziel. Dann setzt man sich hin und wartet. Bald finden wir heraus, dass Fahrzeuge mit blauem Nummernschild gesetzlich verpflichtet sind zu halten und Leute mitzunehmen. Blaue Nummernschilder haben die staatlichen Fahrzeuge. Die meisten der eh schon wenigen vorbeifahrenden Autos haben jedoch ein gelbes Schild (Privatautos), ein dunkelrotes (Touristen) oder sind bei blauem Nummernschild bereits voll und halten nicht. Spätestens nach einer Stunde warten, erklären wir uns selber für verrückt – kamen in dieser Zeit doch genau 3 Kubaner der wartenden Horde weg. Immer stärker fühlen wir uns auch am falschen Platz, denn im Unterschied zu uns MÜSSEN die wartenden Kubaner reisen, wir DÜRFEN es, und könnten problemlos auch ein Taxi nehmen oder eine der teuren Touren buchen. Wir haben Autostopp GEWÄHLT, die Kubaner allerdings haben keine andere Wahl. Und so entscheiden wir uns, den Kubanern nicht den Platz wegzunehmen, und versuchen unser Glück hinter dem Amarillo, in der Hoffnung dass vielleicht ein Tourist vorbei kommt, welcher bestimmt nicht beim Amarillo hält (weil er das System gar nicht versteht und wahrscheinlich denkt, die Leute warten auf den Bus...) aber vielleicht andere Touristinnen mitnimmt. Doch auch so haben wir kein Glück, denn mittlerweile sind wir wohl auch schon sehr spät dran. Also muss eine Alternative gesucht werden, und die einzige Alternative ist im Taxi zu fahren. Für uns ist klar: wenn wir schon ein teures Taxi bezahlen, dann wollen wir dieses auch füllen, und wir bitten unseren Taxifahrer, beim Amarillo zu halten (dieser kann dies gar nicht glauben!). Und gross auch das Staunen der Wartenden, dass Touristen halten. Grösser noch, als sie uns wiedererkennen. Wahrscheinlich sind wir in Viñales in die Geschichte der verrücktesten Touristen eingegangen... Die Frau die mit uns bis Santa Lucia (das letzte Dorf vor dem Cayo) mitfährt, sagt, sie hätte etwa 5 Stunden beim Amarillo gewartet... Cayo Jutías dann war Bilderbuch-Karibik pur – weisser Puderzuckerstrand, türkisblaues Meer. Einfach herrlich um die Seele ein bisschen baumeln zu lassen! Auf dem Rückweg vom Strand nehmen wir auch wieder Tramper mit. Eine Frau erzählt uns, dass jemand gestorben sei und sie deshalb fahren muss, denn sie muss die Tiere füttern gehen. Sie war extrem froh, dass wir sie mitgenommen haben, denn wir waren wohl eines der letzten Autos, das noch vorbei kam, es war ja schon bald Abend. Sonst hätte sie erst tags darauf vielleicht fahren können. Vielleicht auch nicht... Die Frau erzählt auch, dass sie nicht viel reist, denn sie hätte Angst vor Autos. Reisen heisst für sie, ins nächste Dorf zu fahren. Wo sie aussteigt, steigt der nächste ein.
So haben wir das später jedenfalls immer gemacht, wann immer wir im Taxi unterwegs waren. Autostopp anders rum sozusagen. Immer wieder sind wir damit auf das Unverständnis der Taxifahrer gestossen, doch in einem Land, wo Transport wirklich Mangelware ist, ist jeder freie Sitzplatz in einem Auto eine Schande! Im Bus geht es danach weiter nach Santiago de Cuba, ganz im Osten des Landes gelegen. In Havanna mussten wir umsteigen, und danach ging’s im unbequemsten Nachtbus EVER während 12 unbequemen Stunden nach Santiago. Frühmorgens müssen wir uns hier vor den lauernden Horde wehren, welche uns ein Casa Particular oder Taxi andrehen wollen.


Doch wir brauchen von alldem nichts, denn wir werden in Santiago zum ersten Mal Hospi-Club auf kubanisch ausprobieren. Der Club an sich ist illegal hier, da es verboten ist Leute unterzubringen, wenn man nicht ein offizielles Casa Particular (Bed & Breakfast) hat, und dafür saftige Steuern bezahlt. Der Staat wittert halt überall gleich, dass sich die Leute irgendwie persönlich bereichern könnten, was im Sozialismus verpönt ist. Wie gesagt ist schon die einzige Tatsache verdächtig, dass Kubaner mit Touristen zusammen sind. Jedenfalls holt uns Lianne beim Busterminal ab, sie hat ein Casa für uns organisiert, wo wir zu dritt im Zimmer sein können (auch illegal, wie so vieles in Kuba. Erlaubt sind max. 2 Pax pro Zimmer) und zusammen mit ihr konnten wir auch einen fairen Preis aushandeln. Die Casas in Kuba, das ist eine Geschichte für sich. Von unserer Gastmama in Havanna wurden wir unfreiwillig bereits an ein Casa in Viñales weitergereicht, und ohne es zu wissen wurden wir in Viñales erwartet und abgeholt. Man kann sich kaum dagegen wehren, weitervermittelt zu werden. Das ganze Netzwerk dieser Casa Besitzer finde ich gleichzeitig faszinierend, aber als Reisender ist es auch ganz schön mühsam. Da der Vermittler auch was dabei verdienen will, bezahlt man so meistens schon mal mehr, als man sonst bezahlen würde. Da die Casas auch Steuern bezahlen müssen, wenn sie Mahlzeiten anbieten (was sie eigentlich alle tun), wollen einem die Casa Besitzer auch immer gleich das Nachtessen dazu verkaufen, doch meist assen wir irgendwo billiger auf der Strasse. Jedenfalls ist eine beliebte Strategie zuerst einmal zu fragen OB man das Abendessen will, und auch wenn man NEIN sagt, danach gleich zu fragen, WAS man denn gerne hätte: Fisch oder Fleisch oder Hühnchen... *g* In Viñales wurden wir für die dritte Nacht gar aus dem Haus geworfen, weil wir auf das Abendessen verzichten wollten... Echt unglaublich! Und wie gesagt, 3 Leute in einem Raum ist seit ein paar Jahren illegal. Jedesmal wird betont, dass hier (egal wo man gerade ist) die staatliche Kontrolle viel stärker ist, als anderswo (wo man gerade herkommt), doch schlussendlich konnten wir doch fast überall zu dritt ein Zimmer teilen.
Jedenfalls sind wir in Santiago gelandet, und Lianne hat sich als riesen Schatz entpuppt. Es gibt keine Worte um unsere neue „Mamita“ zu beschreiben. Sie hat uns die Stadt gezeigt, wir sind zusammen mit ihren Freunden und Mizco (ein Kroate, den wir im Nachtbus kennengelernt haben) in den Ausgang gegangen, und dank ihr wurde Santiago für mich zu einem der schönsten Orte Kubas. Abseits der Touristenpfade hat sie uns im vollgequetschten Camión (ein Lastwagen wo sich Passagiere quetschen) zur Playa Estrella geführt, da wo die Kubaner hinfahren zum Baden. Wir waren wirklich die einzigen Touristen da, genossen die laut aus der Strandbar dröhnende Salsa und Reggaeton-Musik und den Strand und das Meer (obwohl dreckig) mehr als sonst irgendwo und die Mangos hier schmeckten noch besser als immer. Später sagt sie uns, dass dieser Tag für sie so normal war, und dass sie es kaum glauben konnte, dass wir so begeistert davon waren. Doch sie hat uns gerade durch diese „Normalität“ ein Stück Kuba gezeigt, das vielen Touristen verborgen bleibt.



Östlich von Santiago de Cuba liegt die Provinz Guantánamo. Bei uns weckt dieser Name sofort Assoziationen mit der gleichnamigen US-Marinebasis. Diese Provinz war auch namensgebend für das weltbekannte Lied "Guantanamera" (Mädchen aus Guantánamo), ursprünglich ein Gedicht von José Marti, das zur heimlichen Nationalhymne Kubas wurde. In Guantánamo liegt auch Baracoa - unser nächstes Ziel. Baracoa war der erste von den Spaniern auf Kuba gegründete Ort und somit auch lange Hauptstadt der Insel. Heute kann man dies kaum mehr glauben, denn das verschlafene Nest hat mit der heutigen Hauptstadt Havanna kaum Gemeinsamkeiten. Baracoa lieben wir von Anfang an, wir hätten hier wohl Wochen verbringen können. Irgendwie ist Baracoa anders als das restliche Kuba. Die Leute sind relaxter und wir haben viele spezielle Menschen getroffen. Alexej erzählt uns, dass er nächstes Jahr eine Engländerin heiraten werde. Sein Bruder sei bereits in England verheiratet und hätte eine Frau gefunden, die sich bereit erklärt hat, die Zweckehe mit Alexej einzugehen, um ihrem Mann und seinem Bruder einen Gefallen zu tun. Dann treffen wir Yendris, ein Artesano (Kunsthandwerker), Rastafari und (wohl einziger) Kubaner der keinen Alkohol trinkt. Er macht auch Musik und hofft mit seiner Band „Raices Negras“ bald Erfolg zu haben, um so etwas herumzukommen. Erinnert mich irgendwie an den Film Habana Blues – übrigens sehr zu empfehlen der Film. Dann lernen wir noch Erwin kennen, mein Lieblingskubaner überhaupt, und die Deutschen Anna, Udo und Christian.
In Baracoa erlebten wir aber auch die schlimmsten und angsterfülltesten Minuten dieser Reise. Mit den Fahrrädern sind wir zur Playa Duaba gefahren, das Meer ist rau und lädt nicht wirklich zum Schwimmen ein. Zu stark sind die Wellen und die Unterströmung. Doch es ist heiss und wir haben uns auf die Abkühlung gefreut. Und so stürzt sich Christian ins Meer. Danach Rahel. Die zwei haben die allergrösste Mühe, wieder an den Strand zu kommen. Eine Welle nach der anderen drückt sie nach unten. Wenn Uli und ich am Ufer schon Angst hatten, ich kann mir nur vorstellen, dass die zwei wirklich Todesängste ausgestanden haben. Wir mussten zusehen und konnten nichts tun. Doch zum Glück ist es gut ausgegangen, die zwei sind zwar kaputt, aber sie haben’s geschafft!! Zum Glück kamen wir dann doch noch zum Schwimmen, im gleichnamigen Fluss Duaba...
Als nächstes Ziel steht Holguin auf unserem Plan. Doch dies stellt uns vor ein grosses Problem: nach Holguin fahren keine Touristenbusse. Man müsste offiziell zurück nach Santiago und so einen grossen Umweg fahren. Als Alternative kann man natürlich auch ein teures offizielles Taxi nehmen, ein etwas weniger teures illegales Taxi, oder versuchen, mit den Kubanern im Sammeltaxi erst mal bis Moa zu reisen. Natürlich gefällt uns die letzte Option am besten, und so begeben wir uns zusammen mit Yendris und Erwin zum Terminal der Sammeltaxis. Doch es ist schwierig. Die Fahrer haben Angst gebüsst zu werden, wenn sie uns mitnehmen. Doch wir warten. Und wie immer findet sich eine Lösung – ein Fahrer offeriert uns mitzunehmen. Lange erklärt er uns, was wir bei der Polizeikontrolle zu sagen hätten: wir studieren Tourismus in Havanna an der ELISCA und hätten keinen Studi-Ausweis bekommen, da wir ja Tourismus studieren (wo da die Logik sein soll, haben wir nicht verstanden). Wir sollten auch sagen, der Taxifahrer wollte uns eigentlich nicht mitnehmen, aber wir hätten ihn überredet – was ja so auch stimmt. Und so einigen wir uns auf einen Preis (und dass wir im Falle einer Busse diese bezahlen müssen) und los geht das Abenteuer – oder wie Erwin zu sagen pflegt: „empezó la fiesta!“. Schon bei der Dorfausfahrt aus Baracoa dann die erste Polizeikontrolle. Wir scheinen ja riesen Glück zu haben... Lange verhandelt der Fahrer mit den Polizisten, welche uns schon bald nach dem Pass fragen. Geistesgegenwärtig entfernen wir noch die Touristenkarte aus dem Pass (denn wir sind ja Studenten!), doch wir waren nicht schlau genug, resp. wurden nicht genug vorbereitet. Wären wir Studenten, wäre unser Pass nämlich an der Uni! Und so fliegen wir auf, und dem Fahrer wird eine happige Busse von 750 MN aufgebrummt (30 CUC – wir sind schon fast (aber nur fast!) beim Preis eines illegalen Taxis...). Weiter geht die holperige Fahrt. Schon bald die zweite Polizeikontrolle... Wir versuchen, möglichst unauffällig zu bleiben (schwierig schwierig) doch der Fahrer scheint die Beamten zu kennen und redet sich irgendwie raus, da er ja schon eine Busse gekriegt hätte, obwohl wir ja Studenten seinen. Diesmal haben wir Glück gehabt. Doch es folgt, was folgen muss. Eine dritte Polizeikontrolle (auf einer – würde man nicht gestoppt – etwa zweistündigen Fahrt, Kilometermässig nicht weit, alles Schotterstrasse...) Hier müssen alle aussteigen. Wir warten, der Fahrer diskutiert heftig. Es beginnt zu regnen und wir steigen wieder ein. Unser Fahrer ist noch immer am verhandeln. Es scheint nicht einfach zu sein... Die ganze Warterei scheint aber zum Glück niemanden zu stören, und bald beginnen die Kubaner, die mit uns fahren, Witze zu machen. Uli und ich machen ein paar Fotos im Sammeltaxi, und einer der Kubaner meint, wir sollten die Polizei knipsen, um immer eine Erinnerung an die mühsamen kubanischen Beamten zu haben. Aus Scheiss mache ich das – unauffällig und versteckt, wie ich glaube. Doch ich habe nicht mit den Argusaugen eines Polizisten gerechnet, der sofort zum Taxi kommt, und die Kamera verlangt, welche ich ihm aushändige, nachdem ich in letzter Sekunde noch schnell das Bild gelöscht habe. Bald darauf, wird Erwin herausgepfiffen – der uns noch bis Moa begleitet. Er müsse die Kamera einschalten, denn die Polizisten fanden nicht heraus wie das geht. Erwin stellt sich aus Angst dumm, er wisse auch nicht wie man die Kamera einschaltet. Er wusste nicht, dass ich das Bild noch gelöscht habe. Hätte ich das nicht gemacht, hätte er und wir grössere Probleme bekommen können!! Jedenfalls musste also ich her, um die Kamera einzuschalten. Was ich natürlich mache, und den Beamten erkläre, es müsste ja das letzte Bild sein, doch sie verstehen das irgendwie nicht, oder wollen es nicht verstehen, und so schaut sich der Polizist alle meine mittlerweile etwa 300 Bilder durch. Viele kommentiert er: Ah, das Capitolio in Havanna! Wo ist das? – ah Viñales, schön..., Santiago... Es scheint ihm Spass zu machen, Fotos zu sehen, von Orten, wo er wahrscheinlich selber noch nie war... Dann noch die obligate Frage: Was machst du in Kuba? Ich studiere Tourismus. Wo? In Havanna. Wo da? Im ELISCA. ... Uff... geschafft... Meine Aussage und die des Taxistas stimmen überein, und so dürfen wir ohne Busse weiterfahren. Naja, fast... denn gebüsst wird Erwin, weil er mit uns zusammen unterwegs ist. Retten kann man Kubaner nur, wenn man sagt man sei ihre „novia“, was ich auch tat. Doch da wir unsere „Beziehung“ natürlich nicht registriert hatten und keinen offiziellen Zettel haben, der beglaubigt dass wir Freund und Freundin sind, kennen sie keine Gnade und Erwin muss bezahlen... Que locura!!
Endlich, endlich können wir bis nach Moa durchfahren. Moa ist eine Industriestadt, dominiert vom Nickelbergbau, welcher die Natur in der Umgebung stark beeinträchtigt. Halden prägen das Bild um Moa und rauchende und stinkende Fabriken. Diese hätte Che höchstpersönlich eingeweiht, erklärt uns Erwin, und scheint darauf fast ein bisschen stolz zu sein. Gut habe ich hier kein Foto gemacht – denn wie ich später lese ist das Fotografieren der Umweltschäden unter dem Verweis auf Industriespionage ebenfalls verboten... Hier in Moa verabschieden wir uns von Erwin, wo wir ein halb-legales Taxi nach Holguin organisieren und er seine Tante besucht.

In Holguin wollten wir uns mit Gerardo treffen, vom HC, doch wir verpassen uns, und so fahren wir nach einer kurzen Stadtbesichtigung am nächsten Tag weiter nach Bayamo – im Taxi, welches gleich teuer ist wie der Bus, und wo wir so noch ein paar Stöppler mitnehmen können. In Bayamo treffen wir Giraldo, vom HC. Er organisiert ein wirklich billiges, dafür illegales und schäbiges Zimmer für uns. Es ist offensichtlich, wofür dieses Zimmer normalerweise gebraucht wird – der grosse Spiegel über dem Bett lässt keine Zweifel ;^) Als sich Hunger meldet führt uns Giral in ein kleines Fast-Food Restaurant wo es für nationale Pesos Hamburger gibt. Nur ist Hamburger hier nicht unbedingt Fast-Food, weil die Kubaner ja viel Zeit haben, gibt es so was wie Fast-Food hier gar nicht gibt. Zum Burger gibt es trinkbares Joghurt, und ein Glas Leitungswasser, welches Giral stehen lässt, und - nachdem wir unseres getrunken haben - meint, er trinke das nicht, es sei nicht abgekocht... Tja...
Am nächsten Tag geht es mit dem von Giral organisierten illegalen Taxi in die Sierra Maestra. Wir werden unterwegs von der Polizei gestoppt und müssen umkehren. Beinahe muss Giral auch noch eine Busse bezahlen. Vorwurf der gleiche wie an alle Kubaner, die sich mit Touristen blicken lassen: er sein ein Jinetero. Unvergesslich, wie er über Gastfreundschaft erzählt und versucht den Beamten den Hospi-Club näher zu bringen! Er schafft es, keine Busse zu bekommen und wir kehren um. Wieder ist warten angesagt, bis ein legales Taxi vorbei kommt und uns das letzte Stück zum Nationalpark mitnimmt. Hier in der Sierra Maestra ist es eigentlich illegal Fotos zu machen, weil da noch die „militärischen Einrichtungen“ der Guerrilla aus der Revolution zu sehen sind. Wir haben schliesslich auch Fidels Hütte und sein Klohäuschen gesehen, und im Museum einen Kuli, den er benutzt hat!! *boah* Aber man darf jetzt eben doch Fotos machen, wenn man dafür bezahlt... Die Natur ist schön hier, und irgendwie verstehe ich die Guerrilleros. Muss echt abenteuerlich gewesen sein, hier sich zu verstecken und zu leben...

Im Nachtbus (diesmal bequem und mit viel Platz – aber dafür wegen A/C viel zu kalt!) fahren wir weiter nach Trinidad – unsere letzte Station. Eine echt schöne und dank UNESCO auch restaurierte Kolonialstadt am Meer.
„Todos al desfile“, haben wir schon überall im Land gelesen, und so gehen wir da auch hin, zum 1.Mai-Umzug. Friedlich geht es zu und her. Die Leute feiern ausgelassen, wie bei uns an der Streetparade fahren geschmückte Trucks mit (statt mit glitzer-bunten Dekos allerdings mit Fotos von Fidel, Raúl oder den 5 Helden oder mit der Kubanischen Fahne). Manche
Personen machen Musik und gehen tanzend durch die Strassen, andernorts dröhnt die Musik von den Trucks. Die 1.Mai-Rede ging dann etwa so: „Viva el 1 de Mayo“ dann Salsa „Viva la Revolución“ wieder Salsa „Viva Fidel“ ...Reggaeton... und so weiter....
Musik... In Trinidad habe ich auch mein persönliches Musik- und Tanz-Mekka in Kuba gefunden. Nirgends sonst habe ich so viele gute Tänzer auf einem Fleck getroffen. Und so tanzen wir täglich vor dem Casa de la Musica, wo die Live Bands aufspielen. Einfach genial!!
Neben Stadt und Strand wollen wir uns hier auch das Valle de los Ingenios ansehen, in erster Linie auch, weil wir da mit dem Zug hinfahren wollen. Doch dummerweise ist der gerade kaputt, was wir erfahren als wir beim Bahnhof ankommen. Also wieder mal eine Taxifahrt... Das Valle und seine alten Zuckerfarmen sind extrem touristisch, doch wir wagen uns ein paar Meter aus der „Touristenzone“ und sind direkt im richtigen Kuba. Hier wohnen die Leute in einfachsten Verhältnissen. Wir treffen Hector, der uns bittet ein Foto von ihm zu machen. Als Gegenleistung holt er uns frische Mangos direkt vom Baum... *mh* Weil es wirklich heiss ist, bittet uns seine Mutter zum Essen der Früchte in ihr Haus. Das Haus von der alten Guillermita ist klein und einfach. Ein paar Stühle, ein Tisch, ein Bett. Die Küche befindet sich in einer separaten Hütte. Der einzig moderne Gegenstand in der Küche: eine Arrozera, ein Reiskocher. Triumph der Revolution??
Die Reise geht langsam aber sicher dem Ende zu. Eine letzte Fahrt trennt uns noch von Havanna. Wir haben in Trinidad einen Exilkubaner aus England kennengelernt, der jetzt zu Besuch bei seinen Verwandten ist. Da er sowieso nach Havanna muss, um seinen Mietwagen zu tauschen, können wir mit ihm fahren. Auch er hat geheiratet um weg zu kommen. Drei Jahre musste die Ehe halten. Jetzt ist er Engländer, geschieden und hinterlässt eine in ihn verliebte Ex-Frau... Angeblich wusste sie von Anfang an, dass es nur drei Jahre sein werden... Tja...
Leicht war das Einreisen, umso mühsamer die Fragerei bei der Ausreise: Quitese el sombrero! - starrer Blick auf mich, langer Blick auf meinen Pass... Dónde aprendió el Español? Estaba viviendo en otro país? Era su primera vez en Cuba?... Kritischer Blick... Dann endlich darf ich durch!
Fazit: Wir haben in Kuba gelacht, wir haben in Kuba geweint, uns gefreut, genervt und liebe und weniger liebe Menschen kennengelernt. Kuba ist wirklich anders, anders auch als das restliche Lateinamerika. Doch vieles ist eben auch gleich, auch hier wollen die Leute in die USA oder nach Europa, auch hier sahen wir Leute in Kartons auf der Strasse schlafen (wenn auch nicht so viele wie anderswo), auch hier gibt es Armut, auch hier wird gebettelt... Vieles ist illegal und einfachste Dinge können zum Abenteuer werden. Nach drei Wochen Kuba trete ich die Rückreise mit sehr gemischten Gefühlen an. Noch nie habe ich so viele Gegensätze, so viel Unlogisches und Unverständliches so intensiv und konzentriert erfahren wie hier. Kuba ist eben anders, bittersüss wie sein Mojito.


Es ist heiss und der Schweiss laueft mir nur so runter. Ich renne ins Meer, denn auf dem heissen Sand muss man rennen, damit man sich die Fuesse nicht ganz verbrennt...
Ich bin in Forio gelandet, auf der Insel Ischia in der Bucht von Napoli. Von da bin ich heute naemlich gekommen. In Rom habe ich dank meinem Hospi-Club Gastgeber das richtige Italo-Feeling bekommen, auf dem Motorino-Scooter durch die engen Gaesschen duesend, und wie es sich fuer Italien gehoert ziemlich kriminell - aber hat voll Spass gemacht. Einmal mehr habe ich dank dem hosi-Club auch Ecken entdeckt, die ich sonst nie gesehen haette.
Oder wer von Euch, die Rom kennen, kennen auch il Buco - das Guckloch? Es handelt sich dabei um ein guckloch in einer Tuere einer Villa auf einem Huegel in der Naehe des Circo Massimo und in der Tuer ist il buco, da kann man reinschauen, und dahinter versteckt sich die Ueberraschung... Im Gegensatz zum restlichen Rom sind hier abends nicht viele Touris anzutreffen und man muss ausnahmsweise nicht Schlange stehen, um durch das Guckloch zu spannern... Wow! Der Anblick ist unbeschreiblich. Hinter der tuer befindet sich einGarten, man sieht eine Allee, ein Weg...und er fuehrt direkt zum St.Peter. So sieht es jedenfalls aus. der Garten ist genial angelegt, die sicht auf die kuppel des san pietro wirkt fast kuenstlich, als waere es eine optische tauschung, aber das ist alles genau so angelegt, und netterweise teilt der besitzer der villa diese aussicht.
Natuerlich habe ich mir San Pietro danach auch bei Tag angeschaut. Doch bevor ich mich in die Schlange gestellt habe, brauchte ich noch etwas kaltes zu trinken. Und so kaufe ich mir am kiosk ein flaeschchen eistee, und werde dabei zeuge einer interessanten diskusion. zwei musliminnen unterhalten sich mit dem verkaufer darueber, ob sie die kirche auch besichtigen duerften. Gewisse Leute wuerden sich schon daran stoeren, meint der verkaufer. Mehr habe ich nicht mitbekommen, aber anscheinend hatten die beiden verschleierten Damen das entgegengesetzte Problem wie die meisten Touristinnen. Die einen sind wohl zu viel, die anderen zu wenig verschleiert. und so machen die verkaufer von schaelen und tuechern an einem heissen sommertag ein gutes geschaeft, mit all den im traeger-top bekleideten touristinnen, die so nackt nicht in den san pietro duerfen. traurigerweise sind die verkaufer der tuecher fast alles asiatische kinder... indirekt unterstuetzt der vatikan hier also kinderarbeit... irgendwie traurig...
ich hatte mir den besuch des vatikans irgendwie als etwas spirituelles vorgestellt, obwohl ich ja nicht wirklich religioes bin. Aber unter all den Touristen, die sich unter anderem ueber Mc Donalds und fish and chips unterhalten haben, war an dem wohl heiligsten ort unserer erde nicht wirklich etwas spirituelles zu spueren... den kommentar eines us-amis zu der schweizer garde, ebenfalls gehoert im san pietro, will ich euch auch nicht vorenthalten - they look so silly but they are so deadly dangerous... hihi...da moegen sie recht haben...
In der sixtinischen Kappelle hab ich mich dann auch eher wie in der mexikanischen Metro zu Stosszeiten gefuehlt, als wie man sich in einer kapelle normalerweise fuehlt... ohne scheiss, man konnte sich kaum bewegen! naja, auch kaum erstaunlich, die schlange vor dem museum - wo sich auch die sixtinische kapelle befindet - geht auch vom sankt peter platz bis zum museum, schaetzungsweise so 800m. so kommt man schon vorher ins echte mexiko-d.f.-stosszeiten feeling!
Ein Genuss war es danach, durch das fast touristenlose Neapel zu schlendern, auch wenn die Stadt nur halb so attraktiv ist wie Rom. Auf der piazza plebiscito den italienischen kindern beim spiele zuzuschauen war so toll, es sind hier alle vom fussballfieber noch infisziert und alles was niht mehr krabbelt rennt einem ball hinterher. Niedlich der Kleine, der mich ansmilet und immer wieder schreit - sono il campeoooonnneeee, sono il campeooooneeeee... und auf dem platz duest ein knapp vielleicht 12 jaehriger auf dem frisiereten mofa seines aelteren bruders herum...
So, und jetzt da ich Neapel gesehen habe.... Neapel sehen und.... neiiiiinnnnn, sterben will ich noch lange nicht... obwohl ich zugegebenermassen vorher schon ziemlich tot an der sonne am strand herumgelegen bin... dolce far niente eben in bella italia!
Salutti da Forio!

Jaja, ich weiss schon... Ein Kurztrip über Ostern nach Italien ist nur halb so spannend, wie meine 6 monatige Reise durch Zentralamerika... Trotzdem werd ich Euch ein bisschen vom Trip erzählen. Wen es nicht interessiert, der solls halt nicht lesen, so einfach...
"Lago di Como - zwei Uhr Nachmittags: wir schwitzen und geniessen die Sonne.
Lago di Como - 9 Uhr abends: die Tür ist auf, es ist warm.
Lago di Como - Mitternacht: die Tür ist noch immer auf, wir frieren nicht..."
Unsere Idee für den "Ein-Wetter-Como" - Werbespot...
Es war tatsächlich einfach herrlich, vom verregneten Zürich und dem verschneiten, eiskalten Engadin über den Malojapass immer weiter in den Frühling zu fahren.
In Lecco angekommen, stellte sich das erste Problem: wie finden wir Andrea? Wir kannten zwar seine Adresse und wussten, dass er in der Nähe des Spitals wohnt, doch wenn in der ganzen Stadt kein einziges Schild zum Spital hinweist, wird es schwieriger... Tja, das hiess dann wohl, letzte Italienischkenntnisse zusammenkratzen (gemischt mit viel Spanisch... - etwa 80% meines Italienisch sei Spanisch, wurde mir später von Andrea gesagt... ) und fragen, fragen, fragen... "è una lunga strada" - hiess es immer wieder - ein weiter Weg. Zum Glück erklärte sich dann jemand bereit, uns den Weg zu zeigen, und fuhr vor uns her. Dies sollte erst ein erster Eindruck von Italienischen Strassen- und Fahrverhältnissen sein... :-P - 160 auf der Autobahn zu fahren, sei nicht schnell, und mal eine Einbahnstrasse zu nehmen, sei gang und gäbe - wurden wir später von Andrea belehrt. Tja, jedenfalls hat sich die lange Sucherei gelohnt: Andrea erwies sich als Riesenschatz - Gastfreundschaft in Person. (Hospitality Club halt eben!!) Natürlich berichtete Andrea uns unter anderem stolz über den guten Wahlausgang in Italien. Er sei sehr glücklich, lobte Berlusconi aber immerhin für das von ihm erlassene Gesetz, welches es auch Ausland-Italienern erlaubt zu wählen. Immerhin seinen es die Auslanditaliener, welche Prodi zum Sieg brachten. Tja, da hat sich Berlusconi mit dem Gesetz wohl ins eigene Fleisch geschnitten. Doppelt glücklich über den Wahlsieg ist Andrea zudem, da er mit einem guten Freund eine Wette abgeschlossen hatte. Paulo, welcher für Berlusconi war, muss nun in Unterwäsche auf den Knien die Treppe hoch zu Andreas Wohnung steigen und dazu die "Internationale" singen... Dazu muss man wissen, dass Andrea im 5. Stock wohnt! Dieses Spektakel wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, doch leider war es noch nicht soweit. Denn schliesslich muss die Internationale zuerst noch einstudiert werden... :-P Immerhin kamen wir so in den Genuss von ein paar Proben...
Ein weiteres Erlebnis war der Ausgang nach Como. Nicht nur war die Stimmung an der Party obergenial, das Beste am ganzen war, dass wir in Italien bereits den Ausgang der Zukunft schnuppern durften: den rauchfreien Ausgang! Ein Traum! Man muss zu Hause nicht gleich unter die Dusche Haare waschen gehen... kann die Kleider auch noch ein zweites Mal anziehen, ohne dabei selber zu ersticken... Andrea und seine Kumpels schienen das Ganze auch noch relativ locker zu nehmen - obwohl Raucher. Man muss halt einfach raus, um zu rauchen. So einfach! Bleibt zu hoffen, dass es in der Schweiz auch bald so weit ist. Kurz gefasst: ich genoss die paar Tage in Italien total. Da die Italiener vom Typ her den "echten Latinos" sehr ähnlich sind (will sagen: spontan, unorganisiert, ein bisschen chaotisch, offen...), fühlte ich mich natürlich sofort total wohl. Die vielen leckeren Pizzas und Gelati leisteten ebenfalls ihren Beitrag zum perfekten Kurztrip und nicht zuletzt der Markt in Como, wo man fast so billig einkaufen kann, wie auf dem Mercado Central in Costa Rica... (naja, nicht ganz... ) Und neben all den Souvenirs haben wir auch den Frühling mit in die Schweiz gebracht!!
Arrivederci Italia!
Seit nun genau 10 Tagen trifft man mich wieder in der Schweiz an. Hier muss ich mich nun wieder daran gewöhnen - dass alle Busse nach Fahrplan fahren, und nicht einfach dann, wenn sie voll sind
- dass man VOR der Busfahrt ein Ticket lösen muss, und nicht einfach beim Aussteigen bezahlen darf
- dass man nicht vom Busfahrer verlangen kann, "an der naechsten Ecke" auszusteigen
- dass man an der Busstation nicht sofort gefragt wird, wo man hin will, und zum Bus geführt wird - nein, man muss selber lesen... und das Gepäck alleine zum Bus schleppen...
- dass man sich nicht neben zwei Personen auf den Zweier-Sitzplatz quetschen darf, auch wenn es locker Platz hätte - nein, man muss im Bus stehen!
- dass man das WC-Papier nicht im Papierkorb neben dem Klo entsorgen sollte
- dass man im Supermarkt für Plastiktüten bezahlen muss und dann erst noch die Einkäufe SELBER darin einpacken muss...
- dass hier Sonntags alles geschlossen bleibt.
- dass es nicht an jeder Ecke in jedem Quartier eine "pulpe" gibt, wo man sich mit allem lebenswichtigen eindecken kann
- dass es für Freunde wieder 3 Küsschen statt nur einem Wangenkuss gibt
- dass man mit seinem Bruder nicht Spanisch sprechen sollte - auch wenn man noch so verpennt ist - denn der versteht das nicht...
- dass es nicht zu jeder Mahlzeit Reis mit Bohnen und/oder Tortillas gibt
- dass das z auf der Tastatur da sitzt wo eigentlich das y ist und umgekehrt... und dann gibts da auch noch so was tolles wie üöä...
- dass in Restaurants der Ananas-Saft nach jahrelang in Zuckersirup eingelegten ekligen Dosenfrüchten schmeckt und nicht nach fruchtig frischer Ananas :'-(
- dass man nicht zu Fuss über die Autobahn spazieren sollte
- dass man hier private Verabredungen einen Monat im Voraus planen kann/muss
- dass es sich bei den Bretterbuden neben der Strasse nicht um Wohnunterkünfte handelt, sondern dass das einfach Schrebergärtchen sind - zum glück!
- dass die San José-Kälte von 15 Grad eigentlich gar nicht wirklich kalt ist
- ...und dass es auch noch einen Ernst des Lebens gibt, und der nennt sich Jobsuche!
Aber der nächste Urlaub wird irgendwann bestimmt kommen!!