Freitag, 23. Dezember 2005

Geduldsprobe (Rama, Nicaragua)

"Vielleicht, vielleicht auch nicht!" - ist die Antwort des fuer die Hafensicherheit zustaendigen Marinesoldaten, auf unsere Frage, ob denn nun heute ein Boot auf die Insel fahren wuerde. Vor drei Tagen sei ein Boot von der Insel in Richtung Festland gefahren, und dieses Boot erwarte man heute zurueck, aber sicher sei nichts, man muesse abwarten, bis sich der Kapitaen meldet... Passagierboote nach Corn Island fahren nur drei mal pro Woche, an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Wer an einem anderen Tag reisen will, so wie wir, braucht eine gute Portion Glueck und eine Menge Geduld. Und so setzen wir uns zu den sechs anderen Touristen, die auf ein Schiff warten, das vielleicht gar nicht kommt und warten. Gegen Mittag schwinden unsere Hoffnungen, heute noch weg zu kommen. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Fischer noch kommen, meint der Marinesoldat. Wir sollen es morgen frueh nochmals versuchen. Tja, nicht nur geduldig muss man sein, sondern auch Flexibilitaet ist beim Reisen gefragt, und so quartieren wir uns im einzigen Hotel des "Bluff" ein. Der "Bluff" ist der eigentliche Hafen von Bluefields, an der nicaraguanischen Atlantikkueste. Und als "Bluff" kommt uns auch das uns angekuendigte Fischerboot vor, das nicht gekommen ist... Wie in jeder Hafenstadt der Welt, scheint auch hier das Prostitutionsgewerbe zu bluehen. Diesen Eindruck erwecken jedenfalls die Kondompackungen, die in allen Zimmern des schaebigen Hotels herumliegen. Und schaebig ist nur der Vorname des Hotels... Schluessel fuer die Zimmer gibt es nicht. Von innen kann man die Zimmer zwar abschliessen, aber um nachher wieder von aussen rein zu kommen, muss der Hotelbesitzer das Schloss mit einem grossen Kuechenmesser aufbrechen... Naja, dieses Problem hatten wir nicht, denn unsere Zimmertuer liess sich nicht mal von innen schliessen... Aber wir sind flexibel und haben uns schon mit dem Gedanken angefreundet, die Nacht hier zu verbringen. Das naechste Problem, das sich uns stellt ist Hunger. Im einzigen Hotel des Bluff befindet sich auch das einzige Restaurant und wer Fisch will, muss zwei Stunden auf sein Essen warten. Etwas anderes gibts nicht. Flexibilitaet ist gefragt, und wir machen uns auf die Suche nach Eis und Keksen. Schwierig... Doch immerhin Bananen finden wir, und dann kommt er auch schon angerannt, der Mann der mit der Botschaft fuer die "Gringos" im Bluff losgeschickt wurde: "Das Boot ist gekommen, schnell. Es steht schon im Hafen." Wir koennen unser Glueck kaum fassen! Es ist Nachmittag um vier, und das Fischerboot ist doch noch gekommen. Wir fahren auf die Insel! Schnell zurueck ins Hotel, Rucksack packen und schnellen Schrittes zum Hafen. Die Besatzung des kleinen Fischkutters hat extra auf uns gewartet und kaum an Bord fahren wir los. Neben uns Touristen und der Besatzung des Bootes fahren noch ein paar Huehner und ein kugelrundes Schwein mit nach "Big Corn". Das Abenteuer kann beginnen. Bald schon wird es dunkel, der Himmel ist sternenklar. Noch selten habe ich so viele Sterne auf einmal gesehen. Es ist einfach traumhaft... Oder muss ich sagen: es WAERE FAST traumhaft... waeren hier nicht die Dieselabgase die uns direkt ins Gesicht blasen und die heftigen Wellen... Spaetestens nach der halben Strecke bereuen die ersten, die Reise angetreten zu haben und schwoeren sich, fuer den Rueckweg das Flugzeug zu nehmen... Das Meer schuettelt "unseren" Fischkutter richtig durch und spielt mit uns wie mit einer kleinen Nussschale. Schon wieder ist Geduld und Durchhaltevermoegen gefragt. Wir versuchen es uns auf unserem Gepaeck und dem harten Boden einigermassen bequem zu machen um die Strapazen schlafend einigermassen zu ertragen. Nach fuenf Stunden haben wirs geschafft und erschoepft lassen wir uns ins Hotelbett auf Big Corn fallen. Und am naechsten Morgen werden wir auch belohnt: tuerkisblau schimmert das Meer vor unserem Hotel und die Sonne scheint. Und genau so schoen wie auf der Insel, ist es auch unter Wasser. Seit Belize vom Schnorcheln begeistert mussten wir uns sofort Schnorchelausruestung mieten und uns das Riff vor der Insel anschauen. Viele bunte Fische und verschiedene Stachelrochen haben wir gesehen. Traumhaft! Tja, und so haben wir ein paar Tage auf Corn Island verbracht. Eigentlich haben wir ja gar nicht mehr so viel Zeit, um einfach so "rum zu haengen", aber immerhin haben wir eine gute Ausrede, dass wir auf Corn Island rumgebummelt haben: es fuhr einfach kein Schiff vorher zurueck! (und fliegen waere ja doch zu teuer geworden...) Bleibt mir nur noch zu sagen: FROHE WEIHNACHTEN AN ALLE - FELIZ NAVIDAD Y PRÓSPERO AÑO NUEVO!

Samstag, 10. Dezember 2005

"Laufende Dollarscheine" im mausarmen Honduras (Tela, Honduras)

Bummel durchs Zentrum von Tegucigalpa

Der Strassenjunge blickt uns mit leeren Augen an. Unter dem schmutzigen T-Shirt versteckt haelt er eine Cola-Flasche. Doch er trinkt kein l
eckeres Suessgetraenk... Regelmaessig fuehrt er die Petflasche an seinen Mund um die Daempfe des Leimes einzusaugen. Das Leimschnueffeln hilft ihm, das harte Leben auf der Strasse auszuhalten, den Hunger, die Kaelte... Und er ist nicht alleine: neben ihm hocken drei andere Jungs, im Alter von schaetzungsweise 12-16 Jahren, und sie alle haengen an der Cola-Flasche, die mit Leim gefuellt ist.

Szenenwechsel: Santa Mónica, Tegucigalpa


Die Kinder stuermen auf uns zu und springen uns in die Arme. Sie scheinen gluecklich zu sein. Oder freuen sie sich einfach nur, ueberhaupt besucht zu werden, dass sie nicht ganz vergessen gegangen sind? Auf den Huegeln um Tegucigalpa wohnen sie, die Aermsten der Armen. Die Bretterbuden, in denen die Kinder mit Geschwistern und Eltern, oder zumindest der Mutter, wohnen, sind wohl kaum groesser, als fuenf auf fuenf Meter. Der Boden ist aus festgestampfter Erde, und ausgestattet sind die Huetten mit Schaumstoff-Matratzen, einer einfachen Feuerstelle und vielleicht einem kleinen Tisch oder Stuhl. Fliessend Wasser und Strom sind fuer die Leute hier Fremdwoerter, genau so wie es hier nicht selbstverstaendlich ist, eine Strasse, oder einen normalen Weg zur Haustuere zu haben. Nur schmalste, sandige, schwer passierbare Pfade an den steilen Haengen fuehren zu den Hausern hin. Die Schicksale der Menschen hier sind erschreckend: ich erinnere mich an das gelaehmte Maedchen, das von der Schwester (die etwa 10 ist) tagsueber gehuetet wird, wenn die Mutter in der Stadt Tortillas verkauft. Der Vater hat sich einmal mehr vor der Verantwortung gedrueckt und die Familie alleine gelassen... oder die vier Kinder, deren Mutter AIDS und Tuberkulose hat und bald sterben wird... Auch hier kein Vater, der sich danach um die Kinder kuemmern koennte... oder die 16-Jaehrige Jugendliche die vergewaltigt wurde, und von der Mutter nicht mehr aus dem Haus gelassen wird und jetzt ganz von der Aussenwelt abgeschlossen den Rest ihrer Jugend verbringen muss...

Ja, auch dies ist eine Realitaet Zentralamerikas, wenn auch eine, die ein "normaler" Tourist in Honduras kaum mitkriegt. Wir hatten in Guatemala eine Spanierin kennengelernt, die hier in Tegus bei einer NGO in sozialen Projekten hilft. (www.acoes.org) Sie hat uns diese Seite des Landes gezeigt. Und eigentlich laesst sich all das, was wir gesehen haben, gar nicht in Worte fassen... Ein Besuch einer Shopping-Mall - unter anderen Umstaenden etwas ganz normales - kam uns jedenfalls nach diesem Tag extrem komisch vor.
Von anderen Honduras-Touris hatten wir ja vorher eher schlechtes ueber dieses Land gehoert. Die Leute wuerden einen nur als "Dollarscheine mit Fuessen" sehen und seien Touristen gegenueber gar nicht nett eingestellt. Und ausserdem sei es hier extrem gefaehrlich...
Tja, vor dem Hintergrund der Armut wird zumindest die Kriminalitaet ein wenig verstaendlicher...
Trotz allem geniessen wir die Schoenheiten Honduras total. In der Naehe von Tegus haben wir den La Tigra Nationalpark besucht, ein Nebelwaldreservat, und jetzt gerade entspannen wir uns an der Karibikkueste in Tela.

Donnerstag, 1. Dezember 2005

(Fast) touristenfreie Zone (San Salvador, El Salvador)

Eigentlich wollten wir zum Cerro Verde fahren. Das ist ein Nationalpark um einen Vulkan und laut Lonely Planet ein Muss einer Zentralamerika Reise. Doch wieder einmal hat uns die Natur einen Strich durch die Rechnung gemacht - vor Kurzem ist der Vulkan Ilamatepec naemlich (zum ersten Mal seit 100 Jahren!) ausgebrochen, sodass der Nationalpark noch geschlossen bleibt. Pech gehabt. Tja, da mussten wir uns halt spontan umentscheiden. Doch dies war gar nicht so einfach. Bis jetzt hatten wir ueber die meisten anderen Laender Zentralamerikas schon von anderen Reisenden etwas gehoert und Tipps gekriegt, doch durch El Salvador scheint kaum jemand zu reisen. Das Land hat leider aufgrund des 12-jaehrigen Buergerkrieges, der bis ins Jahr 1992 dauerte, den schlechten Ruf ein gefaehrliches Land zu sein und die meisten Zentralamerika-Backpacker lassen El Salvador entweder ganz weg, oder fahren so schnell wie moeglich wieder aus dem Land. Einmal mehr war es uebrigens die US-Regierung, die das Militaerregime von El Salvador im sog. "Kampf gegen den Sozialismus" unterstuetzt hat. Ohne Reagons Lieferungen von Waffen und finanziellen Mittel haette die salvadorenische Regierung den Krieg gar nicht finanzieren koennen... (A propos Buergerkrieg ein kleiner Filmtipp: Schaut Euch "Voces Inocentes" an! Echt genial eindruecklich gemacht. Ich hab uebrigens eine DVD-Raubkopie von leider nur mittelmaessiger Qualitaet mit im Gepaeck, wer will darf die sich dann gerne mal ausleihen...) Tatsaechlich ist El Salvador so untouristisch, dass es schwierig ist, Postkarten zu finden. Als Auslaender faellt man hier noch mehr auf, doch die Leute begegnen uns sehr aufgeschlossen. Die Salvadoreños sind sehr gespraechig, und eine einfache Frage auf die es eine einfache Antwort geben wuerde endet in einem laengeren Gespraech. Sie wollen alles wissen, wie es ist da wo wir herkommen etc. Zum Teil koennen es die Leute gar nicht nachvollziehen, wie man "einfach so" umherreisen kann, ohne ein wirkliches Ziel zu haben, wie z.B. Verwandte die man besuchen geht oder so. Hm, wo war ich stehen geblieben... wir mussten uns spontan umentscheiden, weil der Cerro Verde Nationalpark geschlossen ist, und so kam es, dass wir nach Suchitoto gefahren sind. Suchitoto ist ein kleines, nettes Kolonialdoerflein und liegt an einem schoenen See. Wir haben unsere Entscheidung nicht bereut, und bedanken uns einmal mehr den Leuten von Lonely Planet, die sich "off the beaten track" nach El Salvador getraut haben. Momentan sind wir aber in San Salvador - die wohl lauteste Stadt Zentralamerikas. Die Musikanlagen der Verkaufer von Raubkopien-CDs sind doppelt so laut aufgedreht als sonst wo und auf dem Markt schreien sich die Verkaufer die Seele aus dem Leib um nach Kunden zu buhlen. Auch sonst wird alles gemacht, um die Kunden ins Geschaeft zu kriegen - man wird am Arm gezogen und zuerst einmal gefragt welche Groesse man hat, bevor man sich ueberhaupt dazu geaussert hat, ob und was man kaufen moechte... Ein echtes Erlebnis! So, und jetzt wirds draussen auch schon wieder dunkel. Das heisst fuer uns ab ins sichere Hotel...

Montag, 28. November 2005

Espíritu Maya (Monterrico, Guatemala)

Hier in Guatemala ist wirklich alles anders! Schon eine "normale" Busfahrt kann hier zum Abenteuer werden. Es gibt hier z.B. die sogenannten Colectivos, eine Art Sammeltaxis. Dies sind meist rel. moderne Minibusse fuer 12 Pax, aber meistens fahren darin etwa 20 Personen mit. Immer faehrt auch ein Begleiter mit, der laut die Destination des Colectivos ausruft. Dies, obwohl meistens das Ziel des Colectivos aussen angeschrieben ist. Dies spiegelt wohl die hohe Analphabetenquote des Landes wieder. Da wie gesagt das Colectivo mit 20 Pax vollgequetscht ist, hat der Busbegleiter meist keinen Platz mehr. Die Schiebetuer bleibt auf und der "Schreier" haengt sich mehr oder weniger aussen an das Colectivo um noch mehr Fahrgaeste anzulocken. Dann gibt es die sogenannten Chickenbusses, unsere bevorzugte Art zu reisen. Chickenbusses sind meist alte Schulbusse, und mit alt meine ich alt. Man sieht die verruecktesten Dinge: Unten kommen die Kabel raus, die Tueren sind mit Strick zugebunden, Windschutzscheiben mit Klebestreifen geflickt, Sitzbaenke werden mit Schnur zusammengehalten... In den Chickenbusses kommt man sich wirklich wie ein Huehnchen in einem Huehnertransport vor... Auf Zweier-Sitzbaenke quetschen sich drei, und wenn es dann wirklich voll ist, werden noch Raeder reingekarrt und der Busbegleiter schreit noch immer laut die Destination des Busses aus, damit noch mehr Leute mitfahren. Manchmal werden im Chickenbus aber auch richtige Huehner transportiert. Dies kommt vor, wenn die Leute nach dem Markt mit den neu erstandenen Tierchen nach Hause fahren. Aber im Bus gackern nicht nur die Huehner vom Markt. Immer wieder steigen Verkaufer ein, die laut durcheinander ihre Waren anpreisen, was wirklich ab und zu aehnlich toent wie das Gackern der Huehner.Dabei werden wirklich die ineressantesten Sachen angeboten: von Esswaren und Suessigkeiten ueber die dubiosesten Wunderheil-Puelverchen gibt es fast nichts, was man nicht in einem Bus angeboten kriegt. Zudem hoert man immer wieder die abenteuerlichsten Lebensgeschichten: "Entschuldigen Sie die Stoerung... Frueher habe ich Drogen genommen und mich mit Pistole und Machete mit meiner Gang durchs Leben gekaemfpft und am Leben erhalten, doch dies will ich nicht mehr. Ich hatte nie einen Vater und es war meine einzige Moeglichkeit. Ihr hattet alle einen Vater, aber ich nicht. Aber jetzt bin auch ich ein ehrlicher Mensch. Dies ist jetzt meine Arbeit. Bitte kaufen Sie mir den leckeren Lutscher fuer nur einen Quetzal." Auch wenn nur die Haelfte davon wahr ist, von dem was man zu hoeren kriegt, gibt einem das viel zu denken. Das Leben in Guatemala ist fuer den Grossteil der Bevoelkerung wirklich hart. Viele versuchen deshalb auch irgendwie weg zu kommen. "Wisst ihr, welches die zweitgroesste Stadt Guatemalas ist? San Francisco!" Ja, nach Guatemala City leben anscheinend wirklich in San Francisco, Kalifornien die meisten Guatemalteken auf einem Fleck... Dieser "Witz" den uns ein Hospi-Club-Freund erzaehlt hat, erinnert mich auch wieder an das Magazin in Mexiko, welches Tips gegeben hat, wie man am besten illegal in die USA einreisen kann. Echt krass... Vor kurzem waren wir auf einem Markt. Bisher hatten wir nur die Maerkte gesehen in Antigua und Chichicastenango wo sehr viele Touristen sind, und dementsprechend auch vor allem Kunsthandwerk und Souvenirs schoen saueberlich geordnet an die Touris verkauft wird. Doch in San Francico El Alto gibt es kaum Touristen. Stattdessen bieten die Verkaufer Grundnahrungsmittel, Gemuese, Kleidung, Stoffe etc an. Viele Verkaufer breiten die Ware einfach vor sich auf dem Boden aus. Daneben kriechen Kleinkinder durch den Staub und Muell am Boden. Die groesseren Kinder helfen mit, schleppen wie ihre Muetter und Vaeter riesiege Saecke voller Ware auf dem Kopf oder Ruecken auf dem Markt herum... Ein Grossteil der Bevoelkerung hier in Guatemala sind Mayas. Und daher lebt die Mayakultur in diesem Land noch stark. Passend also der Werbeslogan "Espiritu Maya" der guatemaltekischen Tourismusorganisation. An verschiedenen Orten werden diverse Goetter angebetet, und uns Aussenstehende bringt das ab und zu auch zum Schmunzeln. In Santiago am Lago Atitlan wird Maximon angebetet. Maximon findet man in einem schoen geschmueckten Raum in dem auch Weihrauch brennt. Er selber ist eine Figur aus Holz, gekleidet in bunte Kleidungsstuecke und in seinem Mund steckt eine dicke Zigarre. Seine liebsten Opfergaben sind Zigaretten und starken Alkohol. Wenn man ein Problem hat, kann man es mit Maximon besprechen. Das ist, wie wenn es ein guter Freund waere, und dazu wird eins getrunken. Laut Guidebook ist Venado Rum sein Lieblingsgetraenk, aber als wir da waren gabs nur Cerveza Gallo... Abwechslungsweise trinkt der Beter ein Glas und danach giesst er ein Glas auf den Boden vor Maximon. Und die Zigarreten? Wohl eine Art Friedenspfeife? Doch Guatemala hat nicht nur kulturell etwas zu bieten.

Vor ein paar Tagen haben wir den Pacaya Vulkan in der Naehe von Antigua bestiegen: Stark blaest der Wind ins Gesicht und wir kommen kaum vorwaerts. Langsam kaempfen wir uns den 30-40 Grad steilen Hang zum Krater hoch. Doch dies ist nicht einfach, durch das Vulkangeroell. Bei jedem Schritt vorwaerts rutscht man wieder zwei runter... Doch oben angekommen wird man belohnt: die Aussicht auf zwei andere Vulkane ist spektakulaer und auch der Pacaya selber beeindruckt. Vor lauter Rauch ist der Krater kaum zu sehen. Der Schwefelgeruch des Rauches raubt einem den Atem noch mehr. Der Abstieg war dann umso schneller. Manchmal waere ich froh gewesen, wenn ich doch noch gelernt haette zu snowboarden oder ski zu fahren, denn es ging wirklich mehr rutschend als gehend nach unten.

Seit gestern sind wir in Monterrico am Pazifik. Monterrico ist beruehmt, da es ein wichtiger Nistplatz fuer drei verschiedene Arten von Meeresschildkroeten ist. Momentan ist gerade Schluepf-Zeit, und so wurden wir einmal mehr Zeugen eines unvergesslichen Momentes. Fuer Touristen wird jeden Samstag von der lokalen Organisation zum Schutz der Meeresschildkroeten ein Baby-Schildkroeten-Rennen veranstaltet. Gegen eine kleine Spende wird man so zum Sponsor einer Schildkroete. Auf LOS werden alle Schildkroetchen bei einer Linie in den Sand gesetzt und rennen in Richtung Meer. Es ist ein extrem schoenes Gefuehl, so ein kleines Wesen in den Haenden zu halten und bei seinem Start ins Leben zu beobachten. Ins Meer haben es alle geschafft, doch nur etwa 3% werden im geschlechtsreifen Alter hierher zurueckkehren... Natuerlich wuenschen wir all den kleinen Tierchen viel Glueck! ("Good Bye Turtle! She did it!", gaell Annia und Csaba!!! ) So, und morgen schauen wir mal, wie es in El Salvador so ist.

Mittwoch, 9. November 2005

Afro-Carribbean Feeling (San Ignacio, Belize)

In Belize ist alles anders... Da Belize eine ehemalige englische Kolonie ist, ist Englisch hier Amtsprache. Die mehrheitlich schwarze Bevoelkerung spricht aber Criollo oder Garifuna - d.h. "gebrochenes Englisch" wie sie selber sagen. Die meisten Touristen (wir miteingeschlossen) haben grosse Muehe damit, die Einheimischen beim ersten oder zweiten Mal repetieren zu verstehen, selbst wenn sie "normales" Belize-Englisch mit uns sprechen. Da sind wir dann immer froh, wenn wir Belizeaner treffen, die aus den Spanisch-sprachigen Gebieten des Landes (Grenzregionen) stammen und wir uns auf Spanisch verstaendigen koennen. Von den Einheimischen hatten wir ja zuerst einmal einen schlechten Eindruck. Wollten die uns in Orange Walk doch tatsaechlich 7.50 USD fuer 6 Banaenchen abknoepfen. Haben wir wieder einmal gedacht, wir sind zwar Touristen, aber das heisst noch lange nicht, dass wir uns so verarschen lassen. Deshalb haben wir die meisten Bananen wieder zurueck gelegt und uns beschwert, das sei ja schon viel zu teuer. Tja, gross war dann das Gelaechter, als wir herausgefunden haben, dass die uns gar nicht verarschen wollten, sondern wir nur einfach zu bloed waren, mit der neuen Waehrung - dem Belize Dollar - umzugehen. Die Banaenchen haben naemlich 75 Belize Dollar CENT gekostet, das sind etwa 37 USD Cents, also wirklich billig! Von Mexiko daran gewoehnt, dass es keine kleinere Einheit als Pesos gibt, haben wir gedacht, die Banaen kosten 75 Belize DOLLAR (= 37 USD), aber wir haben noch mit dem Peso-Wechselkurs gerechnet (75 Pesos = 7.50 USD). Wir waren dann ganz schnell aus dem Fruechte-Laden raus, aber konnten uns kaum mehr vor Lachen ab unserer Dummheit erholen. Das Beste war ja, dass wir am Schluss tatsaechlich bereit gewesen waeren, fuer 2 bananen 25 Belize-Dollar zu bezahlen... und das, wo wir fuers Hotelzimmer 30 Belize Dollar pro Nacht bezahlen... :-) Habt ihr eigentlich gewusst, was die Hauptstadt von Belize ist? Ich naemlich auch nicht. Nein, wenn ihr jetzt denkt, "WAS?, ist doch logisch, Belize City..." dann irrt ihr Euch. Belmopan, heisst die Stadt. Belize City war nur bis in den 60er-Jahren Hauptstadt und tatsaechlich gibt es heute noch Buecher ( z.B. der World Travel Atlas von 1998!!!) die Belize City als Hauptstadt angeben. Nachdem im Jahre 1961 Hurrikan Hattie Belize City fast total zerstoert hat, hat sich die Regierung dazu entschlossen, in der geographischen Mitte des Landes eine neue Retorten-Hauptstadt zu gruenden: Belmopan. Das Ziel war es, dass nicht nur der Regierungssitz dahin verlegt wird, sondern dass auch die Bevoelkerung mitzieht. Doch die Belizeaner scheinen ihr Belize City zu lieben, denn noch heute ist Belmopan ein Dorf mit ca.5000 Einwohner. Was die Leute so toll an Belize City finden, bleibt fuer mich ein Raetsel. Als wir Sonntags hier von Orange Walk ankamen, war die Stadt wie ausgestorben. Alles bleibt hier im Gegensatz zu Mexiko oder auch Costa rica sonntags geschlossen und die Menschen verkriechen sich in ihre Haeuser. Es kam uns vor wie in einer Geisterstadt. Nur ein paar komische Gestalten trieben sich herum, und ne Menge Taxifahrer, die uns belagerten um uns irgend wo hin zu fahren, wo wir gar nicht hinwollten. Zudem warnten uns sogar Einheimische davon, die einzige Attraktion der Stadt (die aelteste anglikanische Kirche Zentralamerikas) Nachmittags um 16.30 Uhr zu besichtigen, denn dann wird es ja schon bald dunkel (ab 17.30, 18.00 Uhr) und dann sei das zu gefaehrlich dort... Naja, ehrlich gesagt fuehlten wir uns in der Stadt auch nicht wohl. Hoechstens die Naehe zu den Cayes (sprich: Keys) koennte das Bleiben der Belizeaner erklaeren... Dieses kleine Paradies befindet sich nur gerade 30-40 min Bootsfahrt von Belize City entfernt. GO SLOW, steht hier auf den Verkehrs-Schildern (obwohl es auf der Insel eh fast nur Golf-Carts gibt, die gar nicht schnell fahren koennen), und dies scheint auch das Motto der Einheimischen zu sein. Ich habe noch nirgends so ne Entspannte Stimmung erlebt, wie hier. Doch wir Touristen brauchten natuerlich ein bisschen Action, und haben kaum angekommen, eine Schnorcheltour gebucht. Vor Belize liegt naemlich das zweitgroesste Barrier-Reef der Welt, und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und WOW, es hat sich vielleicht gelohnt: Wir sind mit Haien geschwommen, haben unserem Guide zugeschaut wie er mit Stingrays spielt und konnten regelrecht durch Schwaerme kleiner bunter Fischchen ueber das Korrallenriff schwimmen. In Belize hatten wir auch wieder einmal extrem Glueck mit dem Hospitality Club. Wir sind nicht nur in Belize City gratis untergekommen, sondern wurden gleich noch von unserem Gastgeber bis an die Grenze zu Guatemala eskortiert, inkl. Sightseeing unterwegs. So konnten wir noch das hoechste Gebaeude des Landes ersteigen: eine ca 42m hohe Maya-Pyramide in "Caracol". In dieser ehemaligen Maya Stadt sollen frueher einmal 150'000 Menschen gewohnt haben! Fast so viele, wie heute in ganz Belize (naja, nicht ganz, sind heute ca 250'000, aber 150'000 sind doch ganz schoen viele!)